Geschichte

Der Reha-Verein gestern und heute

Ende der 70er Jahre gab es in Schopfloch am Albtrauf gelegen ein Wohnheim für psychisch kranke Menschen, das von einer privaten GmbH betrieben wurde.

Von der Psychiatrie-Enquete und den Entwicklungen in der italienischen Psychiatrie inspirierte und damit sozialpsychiatrisch engagierte Mitarbeiter dieser Einrichtung in Schopfloch haben vor dem Hintergrund eines auslaufenden Mietvertrags und der damit verbundenen Schließung der Einrichtung im Jahr 1979 den Reha-Verein (Reha-Verein zum Aufbau sozialer Psychiatrie in Württemberg e.V.) gegründet. Dabei gab es auch eine ausführliche Diskussion über die zukünftige Rechtsform, nach der man sich auf die Form des gemeinnützigen Vereins geeinigt hat. Wichtiges Argument für diese Rechtsform war, dass damit der gesellschaftliche Auftrag verdeutlicht wird und private Interessen ausgeschlossen sind. Eine andere wichtige Idee war die Schaffung von kleinen überschaubaren Einheiten.

Man fand in Denkendorf und in Heidenheim geeignete Objekte. Damit konnten die Mitarbeiterinnen aus der Schopflocher Einrichtung in zwei kleinen Einrichtungen ihre Ideen weiter umsetzen und auch einen großen Teil der Bewohner aus Schopfloch versorgen. Im gleichen Zeitraum konnte noch eine Einrichtung in Ulm-Söflingen eröffnet werden, so dass der neue Reha-Verein innerhalb kurzer Zeit nach seiner Gründung Träger von drei kleinen stationären Wohneinrichtungen war.

In den folgenden 15 Jahren sind an verschiedenen Standorten der Regionen Ulm, Heidenheim und Esslingen stetig neue Angebote aufgebaut worden. Anfänglich gab es die betreuten Wohngemeinschaften, später kam eine weitere stationäre Einrichtung dazu. Im Jahr 1987 wurden an drei Standorten Sozialpsychiatrische Dienste eröffnet, danach die Psychosozialen Dienste (heute Integrationsfachdienst IFD).

Nach soviel Wachstum passten die im Jahr 1980 geschafften Strukturen nicht mehr zu der inzwischen entstandenen Größe des Vereins. Den teilweise zähen und langwierigen Diskussionen um eine passende neue Struktur wurde schließlich dadurch ein Ende gesetzt, dass die Einrichtungen und Dienste der Region Esslingen, dazu gehörten die Reha-Einrichtung Denkendorf, das Tageszentrum Kirchheim, der ambulante Dienst für das Fildergebiet und die damals neu gegründete Filderwerkstatt, einen eigenen Verein gründeten.

Im Jahr 1999 wurde nach einem einvernehmlichen Entscheidungsprozess diese „Regionalisierung” durchgeführt. Der neue Reha-Verein zum Aufbau sozialer Psychiatrie im Landkreis Esslingen hat die Trägerschaft für die genannten Einrichtungen im Landkreis Esslingen übernommen. Die Entwicklung der einzelnen Bereiche wurde durch die Regionalisierung nicht gebremst. Zwischenzeitlich hat die Anzahl der beschäftigten Mitarbeiter weiter zugenommen, so dass insgesamt mehr als 90 Frauen und Männer beim Reha-Verein im Landkreis Esslingen beschäftigt sind. Der Reha-Verein ist damit zu einem mittelständischen Unternehmen herangewachsen. Es werden aktuell in den verschiedenen ambulanten, teilstationären und stationären Angeboten der Einrichtungen und Dienste für über 600 Menschen Leistungen der Betreuung, Begleitung, Beratung und Therapie erbracht.

Die Gründerzeit mit all ihren Chancen und Risiken ist abgeschlossen und es stellen sich neue Herausforderungen.

Eine neue Aufgabe besteht darin, das Erreichte zu erhalten und entsprechend den inhaltlichen Erfordernissen der Arbeit weiter zu entwickeln. Die im Nachhinein betrachtet „goldenen Achtziger und (die erste Hälfte der) Neunziger Jahre” sind im Anbetracht der leeren öffentlichen Kassen mindestens kurz- und mittelfristig vorbei.

Risikoreiche neue Projekte sind deshalb schwieriger umzusetzen. Das Ziel, Teilhabe psychisch kranker und behinderter Menschen am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen und verbessern – das Ziel der Inklusion – bleibt erhalten.

Wir arbeiten daran, Flexibilität und Kreativität zu pflegen und weiter zu entwickeln. Auch in Zukunft wollen wir allen Klientinnen und Klienten ein attraktives Angebot machen, das zu ihrer persönlichen Entwicklung, zu mehr Autonomie, Integration und Inklusion dienlich ist.